Monika Adams-Steegmaier

 

Manchmal sind es Brüche im Leben, die im Schaffen einer Künstlerin entscheidende Impulse setzen. So auch im Falle von Monika Adams-Steegmaier (geb. 1958 in Sinsheim / Elsenz), die an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart in der Zeit von 1979 – 1988 studiert hat.

 

Ausgelöst wurde eine stilistische Veränderung im Werk der Ludwigsburger Malerin durch die Begegnung und Auseinandersetzung mit den geometrisch - abstrakten Arbeiten ihres jetzigen Mannes Hartmut Stegmaier.

 

Ältere Bilder, noch unter dem Namen Monika Wolf entstanden, wie die „Orientalische Stadt“ sind von auffallender Leichtigkeit und Transparenz. Offene, eher unbestimmte Formen und Farbpartien scheinen, einander überlagernd, für den Betrachter in ihrer Beschaffenheit kaum greifbar, förmlich zu schweben. Duftige Farbnebel oder ineinander verwobene Partien bildeten zarte Kompositionsgefüge, die eine intuitive Wirkung auf den Betrachter entfalteten.

Mit deutlich sichtbarem Pinselduktus entstand so ein Bild von fast magischer Tiefe, in dem das Auge sich meditativ verlieren kann.

 

Aktuelle Arbeiten dagegen leben von weichen aber kompakten und konkreten Formen. In der jüngsten Bildserie, der Sternbildern, die in Zusammenarbeit mit Hartmut Stegmaier und seiner konstruktiven Malweise entstanden sind, zeigt sich eine malerische Sicherheit und nie gekannte Dichte. Sie selbst spricht davon, dass ihre Werke inzwischen viel „flächiger und kompakter“ geworden sind.

Der Farbauftrag ist deckend und glatt ohne jede Pinselspur. Alle Formen sind mit runden, kreissegmentartigen Begrenzungen, ohne Konturlinie, klar umrissen.

 

Skizzen und Vorstudien für diese Bilder werden auf ein mittleres Format vergrößert und geben einen Bildgedanken vor, lassen der Künstlerin aber genügend Raum für einen, bei aller Vorbereitung noch immer in Teilen spontanen Bildprozess. Ihre Begrenzungslinien sind dabei freihändig und mit viel Verve aufgebracht.

 

Interessant ist die neue Farbigkeit. Die Künstlerin entfaltet ihre Bilder in einem zuvor festgelegten aber viel stärker differenzierten Farbkanon. In ungewöhnlicher und dennoch harmonischer Kombinationen stehen reine, intensive Farben neben gebrochenen, subtilen Farbnuancen. Grauvaleurs, Monika Adam-Stegmaier spricht von „Buntgrau“, Taubenblau, mattes Türkis oder verhaltene Taupe- oder Mauvetöne geben im Kontrast mit kräftigem, Ultramarin, Magenta, Zinnober, Orange und Zyan oder Neapelgelb, ein subtiles Farbgefüge. Diese Farbgebung ist ungewöhnlich, durch sie gewinnen die Gemälde eine innerbildliche Tiefe. Kräftige Töne schieben sich optisch in den Vordergrund, während die verhaltenen Farben in einen imaginären Hintergrund zu treten scheinen. Diese scheinbare räumliche Differenzierung verleiht dem an sich flachen Formgebilde eine zusätzliche Spannung, die der Betrachter umso mehr erfährt, je mehr er vom Bild zurücktritt.

 

Das Thema der Sternbilder nahm die Künstlerin auch aus biographischen Motiven auf. Nicht nur, dass sie, gerade an einem Wendepunkt im eigenen Leben über astrologische Zusammenhänge reflektierte, auch im Gedenken an ihren Vater, der sich stark für Astronomie interessierte, kam das Thema Kosmologie zum tragen.

Im Bild bleiben die Sternbilder, quasi als Koordinaten an den Stellen erhalten, an denen die einzelnen Farbflächen in besonderer Dichte zusammenkommen.

Monika Adams-Steegmaiers neue Arbeiten sind aus weichen abgerundeten Formen aufgebaut. Durch die Brechung der Form an geraden Übergangskanten entstehen Wellenformen, Spiralen, Tropfenförmige Partien oder Augenformen. Bemerkenswert ist die besondere Dynamik ihrer Kompositionen, die sich über die gesamte Bildfläche ausbreiten aber an bestimmten Kulminationspunkten im Zentrum des Bildes zusammenballen. Stabil in ihrer klaren Umrissenheit erscheinen die Farbformen dennoch von großer Dynamik und Bildbeherrschender Präsenz.

 

Ein wahrhaft neues künstlerisches Universum tut sich mit diesen 2012 entstanden Werken vor der Malerin Monika-Adam Stegmaier auf, das grenzenlose Möglichkeiten eröffnet und dabei eine neue fast traumwandlerische Sicherheit verrät.

 

Regina M. Fischer

 

 

Wiedergewinnung von Vitalität.

 

Dekonstruierter Konstruktivismus im Werk von Monika Adams - Steegmaier

Ein Beitrag von Prof. Dr. Helge Bathelt, M.A.

 

Konstruktivsten und ihren Epigonen ist es immer schwer gefallen: sich aus einer

verklärten Geometrie - allenfalls Stereometrie - heraus zu nehmen. Selbst

Öffnungsambitionen a la Georges Beauducel und Thomas Kaiser blieben einer

eigenen Art von Kantigkeit und grundsätzlich dem rechten Winkel verpflichtet.

Monika Adams - Steegmaier ist einen anderen Weg gegangen. Das verwundert

durchaus, denn von ihr kannten wir eine vormals ganz andere Gestaltungsweise.

Siebeschäftigte sich nämlich mit vorgeschichtlich - ursprünglichen Zuständen und

darauf aufbauend mit der Suche nach Prinzipien deren Werdens: ihrem „Bauplan“.

Solche Arbeiten zeichneten sich durch Bildräume von besonderer haptischer

Qualität aus, die sich aus einer großen Vielfalt angewandter unterschiedlicher

Materialien ergab. In ihrem Nebeneinander von natürlich - der Natur zugehörig -

wirkenden und strukturellen Elementen wurde eine Bildmächtigkeit geschaffen, die

sowohl formal, wie auch sinnlich, wie auch intellektuell zu überzeugen wusste und

weiß.

BITTE ALS BILDBEISPIEL „ZWISCHENBEREICHE“ VON 2013

In ihrer aktuellen Malerei vollzieht Adams - Steegmaier einen radikalen Bruch zu

solch introvertiert - analytisch - haptischen Gestaltungen. Heute offenbart sie, wie

sehr sie sich die Intensität der Acrylfarbe erschlossen hat, die sie in fließend, Strudel

bildende Kompositionen einbringt unter geflissentlicher Nutzung von Farbe - an -

sich - Kontrasten. Im Ergebnis entstehen so mitunter floral anmutende Werke, die in

ihrer spielerisch - lebenszugewandten Attitüde im Geiste nahe an Blumenstücken

der PopArt siedeln.

( WVZ Nr. 450, “7-wochen-er-mürbt – nach jener SprachLOS-

EPOCHE der TROCKENheit – ..)

 

Die direkten Vorläufer zu dieser Werkfolge können bei Adams - Steegmaier

zwischen 2004 und 2007 geortet werden, als sie unter dem Künstlernamen „Monika

Wolf“ veröffentlichte und es ihr gefiel, auf differenziert farbige Untergründe

informelle Schwünge zu setzen: so als wollte sie die originäre Dynamik der

Futuristen in eine in Geschwindigkeit verliebte Gegenwart hinüber nehmen. Solche

Arbeiten wirken in der heutigen ex - post - Betrachtung wie Suchbewegungen in

Richtung des jetzt Gefundenen.

BITTE ALS BILDBEISPIEL „NEAPEL-Helle…“

Eben dieses Heutige ist die Synthese aus dem systematischen Approach der

Materialbilder mit dem Dynamik ausdrückenden der informellen Phase.

Diese Entwicklung hatte einen Katalysator in der Begegnung mit Hartmut

Steegmaier, deren Bedeutung sich nicht nur in der Heirat der beiden ausweist,

sondern künstlerisch vor allem dann, wenn man das Werk dieses vorzüglichen

Konstruktivsten kennt. Seine geradlinigen Kompositionen aus

Flächenkompartimenten, Überschneidungen, Transparenz, Verdichtung und

Räumlichkeit sind mehr als nur Zeichen einer männlichen Denk- und

Gestaltungsweise. In gutem Yin - Yang - Einverständnis provozierte die Begegnung

mit Steegmaiers Kunstauffassung bei Monika Adams - Steegmaier eine Reaktion,

die sie produktiv in ein Eigenes zu übersetzen wusste: klar konturiert gibt sie mit

weich fließenden Linien und Schwüngen Bewegungen und Rhythmen frei, ersetzt

Konstruktion durch Komposition, bleibt frei für eine dynamische Formensprache

und eine positiv gestimmte Dramatik, die mit einem Überbordenden spielt: mit

elementarer Gestaltungslust und fühlbarer Zufriedenheit über die Erfindung eines

erlangten Angemessenen.

BITTE BILDBEISPIEL „.. im un-nennsamen SOG…“

Eben diese Zufriedenheit findet eine doppelte Bestätigung in so herrlich klassischen

Themen wie „Leda“. „Wellen“,“Wassermann“, „Vögel“ und in zeilenlangen Bildtiteln,

die in der freien Form Hartmut Steegmaiers gehalten sind: mit bedeutungsvoll -

wegweisenden Begriffen in Großbuchstaben, Bindestrichzäsuren und verlängernden

Schlusspunkten.Das kann dann - beispielsweise - in einer Folge von Sternbildern so

lauten:

ORION

.. stern-stolzer ORION, / viel-rot/

jagst DU nun/-zum Heil/

DEINER cyan/ leuchtenden

Augen-/ost-himmel-hin;/

ahnst nicht/jener ARTEMIS/

heimlich/drohenden PFEIL…

BITTE BILDBEISPIEL ENTSPRECHEND TEXT

Das fordert - bei beiden Steegmaiers - vom Publikum bildungsbürgerliches

Grundwissen (eine Metapher in abwertender Absicht, die doch nur eine

Abwesenheit von Wissen beim sie gebrauchenden kaschiert) und macht darauf

aufmerksam, dass ihre Kunst nicht bloßes Farbspiel ist, das der Betrachter -

unvorbereitet wie er sich zumeist hat - kurz vorbeischauend kaum wahrnimmt nach

dem Goethe/Faustschen Motto: „In bunten Bildern wenig Klarheit,/ Viel Irrtum und

ein Fünkchen Wahrheit,/ So wird der beste Trank gebraut,/Der alle Welt erquickt

und auferbaut.“, sondern dass sich hier eine Bilderzählung, transportiert als

hochreduzierte Farb- und Formdynamik, präsentiert, in der zu verweilen sich für den

Betrachter lohnt.

Monika Adams - Steegmaier gelingt mit ihren neuesten Arbeiten zweierlei, nämlich

eine Wiedergewinnung von Farbe als Überwindung so mancher gequälter Quadrate

( so schon Dieter Bechtloff [Hrsg.] - Kunstforum international Bd. 105. Das gequälte

Quadrat. 1989 ) und der Wiedereintritt der Bilderzählung mit Ausdrucksmitteln eines

sich öffnenden Neo - Konstruktivismus.